Einblick in die offene Schulanfangsphase
1. Einleitung und Darstellung der gesetzlichen Grundlagen
Nach dem neuen Schulgesetz vom 26. Januar 2004 werden im § 20, Absätze
1 – 7
der Aufbau der Schule / Primarstufe geregelt.
„Die Grundschule vermittelt eine grundlegende Bildung durch vorfachlichen,
fachlichen, fachübergreifenden und fächerverbindenden Unterricht
und führt die Schülerinnen und
Schüler zum weiterführenden Lernen in der Sekundarstufe I. Sie umfasst
die Schulanfangsphase (Jahrgangsstufen 1 und 2) und die Jahrgangsstufen 3
bis 6.“
(§ 20, Abs. 1 des Schulgesetzes 2004)
Nicht das Kind muss schulfähig sein, sondern der Schulanfang wurde so
gestaltet,
dass jedes Kind adäquat gefördert wird. Die ersten und zweiten Klassen
werden zur jahrgangsgemischten Schulanfangsphase zusammengelegt. Diese Schulanfangsphase
können die Kinder in 1, 2 oder 3 Jahren durchlaufen - je nach individuellen
Voraus-
setzungen und Lerntempo. Sozialkontakte bleiben erhalten und jeder kommt einmal
in die
Helferposition.
Ab dem Schuljahr 2007/2008 hat jedes Kind ein Recht auf Lernen in altersgemischten
Gruppen bei einer flexiblen Verweildauer in der Schulanfangsphase zwischen
1 und 3 Jahren. Der vorgezogene Schuleintritt, der Verzicht auf Zurückstellungen,
das
Lernen in jahrgangsgemischten Gruppen, die Erhebung der Lernausgangslage (LauBe)
und die daran anknüpfende individuelle Förderung bei flexibler Verweildauer
(ein - drei Jahre, wobei das ggf. erforderliche dritte Jahr nicht auf die
Schulbesuchszeit angerechnet wird)
stehen in einem systemischen Zusammenhang. Die angestrebte Qualitätsentwicklung
im Bereich des Anfangsunterrichts ist erst durch das Zusammenwirken dieser
Elemente möglich.
2. Konsequenzen für den schulischen Alltag
Hier müssen wir in der Schule ansetzen. Die Organisationsformen, Unterrichtsformen,
Lernformen verändern sich grundsätzlich, um dem Anspruch des Schulgesetzes
zu genügen.
Lernen in der Schulanfangsphase setzt auf individuelle Förderung - für
passgerechte
Förderung gilt es zu fragen:
Was kann das Kind schon? Was muss es noch lernen? Was soll es im nächsten
Schritt lernen?
2.1. Jahrgangsmischung fördert Potenziale der Kinder
Kinder kommunizieren sach- und aufgabenbezogen miteinander.
Leistungsschwache Kinder erleben sich beim Unterstützen jüngerer
Kinder als
kompetent, das stärkt ihr Selbstkonzept und ihre Lernbereitschaft.
Leistungsstarke Kinder werden durch Modelle älterer Kinder und Lernangebote
für die nächsthöheren Jahrgangsstufen herausgefordert.
2.2. Jahrgangsmischung fordert veränderte Unterrichtskonzepte
Lehrer unterrichten in den jahrgangsgemischten Lerngruppen in unterschiedlichen
Niveaustufen, bieten binnendifferenzierte Lernarrangements an und fördern
und fordern
Kinder. Sie dokumentieren den Lernprozess der Kinder und informieren und beraten
die
Eltern über den Lernstand und Lernfortschritt ihres Kindes.
In der Schulanfangsphase findet der Förderunterricht (in den Fächern
Deutsch und
Mathematik) für Kinder mit kurzfristigem Förderbedarf in kleinen
Gruppen möglichst
zusätzlich zum regulären Unterricht statt.
In Zusammenarbeit mit dem Sonderpädagogen der Schule werden Lernschwächen
und Wahrnehmungsstörungen erkannt und die Kinder durch entsprechende
Angebote zur
Förderung unterstützt, z.B. in temporären Lerngruppen.
Lehrer, Erzieher und Sonderpädagoge der Schulanfangsphase bilden ein
Team, tauschen
sich aus sowie beraten sich in ihren wöchentlichen Teambesprechun- gen,
die fest im Stundenplan verankert sind.
2.3. Jahrgangsmischung fordert veränderte Formen bei der Stundenplangestaltung
Die Einbindung von einer Sonderpädagogin und Erziehern in den Unterricht
der jahrgangsgemischten Lerngruppen sowie regelmäßige Teambesprechungen
zwischen
Lehrern, Erziehern und der Sonderpädagogin sind bei uns an der Schule
im Stundenplan
fest verankert.
Zusammenfassung
Der Lernprozess wird in der Schulanfangsphase an das Entwicklungsniveau
des Kindes angepasst.
Die von den jeweiligen Lehrern festgelegten Lernziele entsprechen dem
Berliner Rahmenlehrplan. Den Lehrern geht es vorrangig darum, dass jedes Kind
sein
individuelles Lernziel mitgestaltend erreicht.
Jedes Kind wird die offene Schulanfangsphase seinem individuellen
Lernfortschritt entsprechend innerhalb von - in der Regel - zwei Jahren
in altersgemischten Gruppen durchlaufen.
Feste Rituale kennzeichnen den Tagesablauf.
Es wird mit Tagesaufgaben und Wochenplänen, in Projekten und Stationen
gearbeitet. Ebenso bestimmen auch gemeinsame Stunden den Unterricht.
Im vorfachlichen, verbundenen Unterricht (VU) werden die Lernbereiche
Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Musik, Kunst und Sport miteinander
verknüpft. Religionsstunden und Förderstunden findet mit je zwei
Wochenstunden statt.
Rhythmus der Schulanfangsphase:
Betreuung ab 7.30 Uhr
1. Block: 8.00 - 9.40 Uhr - Hofpause -
2. Block: 10.00 - 11.40 Uhr - Hofpause -
3. Block: 12.00 - 13.30 Uhr
Im Anschluss besteht die Möglichkeit der kostenpflichtigen Hortbetreuung.
Ansprechpartnerin dazu ist Frau Götz, die koordinierende Erzieherin.
Die Jahrgangsstufen 3-6
Wie geht es weiter?
Es gibt keine strukturellen Vorgaben für die Fortsetzung des jahrgangsübergreifenden
Lernens in den Klassenstufen 3 – 6 seitens des Senats. Es sind keine
zusätzlichen Erzieherstunden oder Stunden der Sonderpädagogin, finanzielle
Mittel oder Sonderausstattungen vorgesehen.
Daher wird an der Grundschule am Tegelschen Ort ab Klassenstufe 3 wieder
in
homogenen Klassenverbänden unterrichtet.
Vielfältige Unterrichtsformen neben frontalen Phasen im Unterricht und
der Partner-
oder Gruppenarbeit greifen die erworbenen Kompetenzen aus der Schulanfangsphase
auf und werden weiterentwickelt.
Diese können z.B. sein:
- Lernen an Stationen
- Arbeit mit Tagesplänen
- Wochenplanarbeit
- Portfolio
- Lerntagebücher
- Lernbuffet
- Werkstattarbeit
Bei diesen Unterrichtsformen ist insbesondere eine individuelle Förderung
und
Forderung durch differenzierte Maßnahmen im gemeinsamen Unterricht möglich.
Eine gründliche und intensive Vorbereitung auf den Übergang zur
weiterführenden
Schule steht im Vordergrund. Die Vielzahl unserer Schüler streben den
Erwerb des
Abiturs an, welches nach der Schulstrukturveränderung zum Schuljahr 2010/2011
sowohl auf dem Gymnasium als auch auf den Sekundarschulen erreicht werden
kann.
Es sind Kooperationen mit den umliegenden Gymnasien wie der Schulfarm Insel
Scharfenberg, Humboldt-Oberschule, Gabriele-von Bülow-Oberschule in Vorbereitung.
Sobald Standorte der zukünftigen Sekundarschulen feststehen, sollen weitere
Kooperationen durchgeführt werden.
Im 3. Schuljahr
Die Fächer Deutsch und Mathematik werden im 4. Schuljahr mit jeweils
5 Stunden in der Woche unterrichtet.
Englisch oder Französisch
Lange Zeit begann der Englisch-/ Französischunterricht in Berlin traditionell
erst in
der 5. Klasse. Doch inzwischen hat sich vieles geändert: Heute lernen
bereits
Drittklässler ihre ersten englischen/französischen Wörter in
der Schule.
Es ist allgemein bekannt, dass Kinder eine Fremdsprache umso leichter und
ungezwungener lernen, je früher sie damit beginnen können. Im 3.
und 4. Schuljahr
begegnen sie der Fremdsprache in Liedern, Reimen, Geschichten und Spielen
mit viel
Spaß. Dabei werden „ganz nebenbei“ Wortschatz, Satzstrukturen
und Aussprache gelernt.
Die Schwerpunkte des frühen Englisch-/ Französischunterrichts liegen
auf dem Sprechen
und dem Hörverstehen.
Aber es wird natürlich auch schon Englisch / Französisch gelesen
und geschrieben.
Die SchülerInnen lernen und arbeiten mit vielfältigen Medien, die
alle Sinne und Lerntypen ansprechen, z.B. mit Büchern, CDs, Arbeitsheften,
Basteleien, englischen Bilderbüchern, Wort- und Bildkarten, viel Musik
sowie Lernprogrammen am Computer.
Damit die Kinder die Möglichkeit haben, sich in die neue Sprache „einzuhören“,
spricht
die Lehrerin im Unterricht fast ausschließlich Englisch / Französisch.
Ein weiterer Vorteil
des frühen Fremdsprachenunterrichts ist, dass (fast) alle SchülerInnen
auf demselben
Niveau beginnen. So haben auch Kinder nichtdeutscher Herkunftssprachen die
selben Möglichkeiten, in der neuen Sprache heimisch zu werden. Drittklässler
erhalten 2 Stunden, Viertklässler 3 Stunden Englisch-/ Französischunterricht
pro Woche. In der 3. Klasse wird
die Leistung verbal bewertet; Noten gibt es erst ab dem 4. Schuljahr.
Die Jahrgangsstufen 5/6
Die Fächer Deutsch und Mathematik werden mit jeweils 5 Stunden in der
Woche unterrichtet.
Englisch wird in der 5. Klasse 4 Stunden und in der 6. Klasse 5 Stunden
pro Woche unterrichtet.
Naturwissenschaften wird in 4 Wochenstunden erteilt.
Die Fächer Geschichte und Geographie teilen sich 3 Wochenstunden übers
Jahr,
im 1. Halbjahr ein Fach zwei, das andere eine Stunde, im 2. Halbjahr umgekehrt.
Bildende Kunst findet an 2 Stunden in der Woche statt.
Musik findet an 2 Stunden in der Woche statt.
Sportunterricht findet an 3 Stunden pro Woche statt.
Bei der Schwerpunktbildung „Förderung der Lesekompetenz“
werden im
Deutschunterricht zusätzliche Angebote mit 2 Wochenstunden erteilt.